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Johannismarkt

Der Johannismarkt wurde bis ins 19. Jahrhundert „Neuer Markt“ genannt. Bis 1802 gab es hier einen bedeutenden Marktplatz. Im Zuge der Säkularisierung und durch den Abriss des Marienstiftes (Stiftskirche) konnten auf dem Hahnplatz nun Märkte abgehalten werden und der Johannismarkt verlor seine Bedeutung. Hier blieben nur der Scheine-, Textil- und Gesindemarkt bestehen. Der Gesindemarkt fand bis zum 1. Weltkrieg am zweiten Weihnachtsfeiertag (Stefanstag) statt. Burschen und Mädchen aus dem ganzen Kreis wurden hier an Bauern und Gutsbesitzer verdingt, bei denen sie am Lichtmesstag (2. Februar) ihre neue Stellung antreten mussten.
Entlang der heutigen Geschäftshäuser standen die adeligen Lehnshäuser der Burgmannen von Schönecken. Von ihnen sind die Namen Drussel, von Boulich, von Hersel, Veling und Alff überliefert. Sie alle hatten hohe Beamtenstellungen der Abtei inne. Vor den Lehnshäusern befand sich eine von vier Prümer Freistätten für Verbrecher. Sie waren Relikte des kirchlichen Asylrechts des Klosters. Vor seiner Verurteilung konnte der Übeltäter hierher  flüchten, „so däck er das erlangen konnte“ und war dann frei für 6 Wochen und 3 Tage. Oberster Richter war der Abt von Prüm, in dessen Namen der Schultheiß und seine Schöffen handelten.
Der Johannismarkt erhielt seinen Namen durch die 1880 aufgestellte, gusseiserne Statur des Evangelisten Johannes und durch das am Stadtrand gelegene Gebiet „Johannisborn“, das die Stadt 1878 erwarb. Das Wasser der dortigen Quelle wurde zum Johannismarkt  abgeleitet. Der Brunnen und die Statue waren bis zum 2. Weltkrieg das Kernstück des Platzes. In den Kriegsjahren verschwand die Johannisfigur und wurde nie wieder gefunden. So wurde 1988 der Entschluss gefasst, eine neue Statue, geschaffen von Niederhersdorfer Künstler Werner Bitzigeio, zu errichten.
Nach dem großen Stadtbrand von Prüm wurde 1769 auf der linken Seite das prächtige Barockhaus erbaut. Während der Besetzung der Franzosen wurde es als Sitz des Unterpräfekten genutzt. Hier war auch eine Poststation untergebracht. Das Haus wurde während des Krieges 1944 zerstört und nach Kriegsende nach Originalplänen durch den ehemaligen Prümer  Arzt Dr. Steinheuer wieder aufgebaut. 1983 wurde es mit dem Kutscherhäuschen im Hinterhof als Kulturdenkmal ausgewiesen.

Adresse

Johannismarkt
54595 Prüm